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[Nora Zimmer]
Eindrücke von Freya Klier
Es ist nicht leicht, über den Charakter eines
Menschen zu schreiben, den man nicht kennt. Ich habe Freya Klier
1999 bei einer Lesung in der Schule erlebt, nicht ahnend, dass ich
mich so intensiv mit ihr und ihrem Leben auseinandersetzen würde.
Als ich sie bei dieser Lesung das erste Mal sah, wirkte sie auf
mich abweisend und Kühle ausstrahlend. Doch schon nach den
ersten Worten ergab sich ein anderer, sympathischer, Eindruck.
Was fasziniert mich an Freya Klier?
Ich finde es bewundernswert, dass sie eine der Wenigen war, die
offenen Widerstand leisteten. Dabei zeigte sie Konsequenz in ihren
Ansichten und Handeln. Daraus entwickelte sich psychische und physische
Belastung, da sie und Stefan Krawcyk von der Stasi bespitzelt wurden,
die darauf wartete, sie verhaften zu können.
Aus ihrem Tagebuch bekomme ich die Empfindung, dass sie eine aufgeschlossene,
sehr mutige und impulsiv-reagierende Frau ist, die über viel
Gerechtigkeitsliebe verfügt. Freya Klier ist ein Organisationstalent
und hat während ihrer Arbeit die Meinung von Menschen gesucht.
Mag man über die Aussagekräftigkeit von Sternbildern denken
was man will: Freya Klier ist Wassermann und es trifft einiges zu:
Sie besitzt einen hochentwickelten Sinn für soziale Gleichberechtigung
und fühlt sich zu fortschrittlichen politischen Organisationen
hingezogen. Außerdem befasst sie sich weniger mit praktischen
und materiellen Angelegenheiten als mit intellektuellen Beschäftigungen.
Wenn man Wassermann-Geborene in eine vordefinierte Rolle einfügen
möchte, so reagieren sie rebellisch, selbst wenn es nur ist,
um ihrer Rolle des Individualisten Gerecht zu werden.
Sie ist eine kinderliebe Frau, hat aber in ihrem herausgegebenen
Tagebuch "Abreißkalender" wenig von ihrer Tochter
erzählt. Für die Heranwachsende war es sicherlich eine
ebenso schwere Zeit, denn es bestand die permanente Gefahr, dass
ihre Eltern ins Gefängnis müssen. Es ist nicht ganz erkennbar,
ob sich Freya Klier über diese Folgen für Nadja immer
bewußt war.
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